06.06.2011

Besuch aus Travemünde: S.Y. SÜDWIND

"Schwanenweiß"...ist nicht nur die Farbe der außergewöhnlichen Mahagonie-Yacht, sondern auch einer der mysteriösen Ex-Namen der heutigen SÜDWIND. Am Wochenende war der 75 Jahre alte Seefahrtkreuzer kurzzeitig in Warnemünde zu Gast. (foto cc by RostockSailing.de).


Strahlend weißer Rumpf, aber nirgendwo ein Name. Kein Klassenzeichen, keine Nummer im Segel und auch kein Heimathafen am Heck. Der einzige Hinweis auf die Identität dieser zweifellos geschichtsträchtigen Segelyacht findet sich in altdeutschen Schnörkelbuchstaben am Rettungsring: S.Y. SÜDWIND.


Informationen zu dem Schiff tropfen eher spärlich aus dem sonst so allwissenden Internet: es gibt keine eigene Webseite und selbst auf einschlägigen Seiten für klassische Segelyachten finden sich im Zusammenhang mit der SÜDWIND so vielsagende Eintragungen wie 'sehr mysteriös' oder 'wird nicht veröffentlicht!' 

Nun ist es nicht besonders ungewöhnlich, dass die Eigner solch segelnder Mahagoni-Messing-Schönheiten lieber im Hintergrund bleiben (und einfach nur genießen) möchten. Andererseits sind diese Schiffe nun mal Eye-Catcher, Blickfang, Hingucker - egal auf welchem Revier sie fahren oder in welchem Hafen sie gerade liegen.

Relativ sicher scheinen lediglich ein paar wenige Eckdaten, zu finden z.B. im Deutschen Yachtsport-Archiv. Danach gehört die SÜDWIND in die Klasse der sogenannten 150 qm Seefahrtskreuzer (auch 15,0 KR-Klasse) und wurde 1936 bei Burmester in Bremen gebaut (von dort stammen u.a. auch der erste ROLAND VON BREMEN und die ASHANTI IV).

Die SÜDWIND ist 21.95 m lang (L.ü.A) und 4.30 m breit, hat bei 28 t Verdrängung einen Tiefgang von 2.70 m und eine sloopgetakelte Segelfläche von 150 m². Das Schiff wurde vorn mit dem damals gern verwendeten Löffelbug und hintem mit einem klassischen Yachtheck ausgestattet (siehe auch Beispielriss eines 150qm Kreuzers von A&R).

Doch schon bei der Frage nach dem Konstrukteur finden sich wieder unterschiedliche Angaben. Nach Ansicht des Eigners war es wohl Henry (od. Heinrich?) Gruber; aus Kreisen der Burmester-Werft dagegen könnte es auch ein Mensch namens Albrecht gewesen sein...

Selbst die aktuelle Herkunft lässt sich nur aus Indizien zusammenreimen. So ist im Register klassischer Yachten unter "Heimatrevier" die Lübecker Bucht eingetragen und auf einem bei der Max Oertz Regatta 2006 entstandenen Foto waren am Heck noch der Bootsname SÜDWIND und darunter Travemünde als Heimathafen zu lesen.

Das Schiff trug im Laufe der vergangenen 75 Jahre offenbar verschiedenste Namen wie SÜDWIND, SCHWANENWEISS; MISTRAL; AKKA und ALOA II.

Andererseits wurden bei Burmester in Bremen nur zwei 150qm Seefahrtkreuzer gebaut: die SÜDWIND und die MISTRAL. Beide tauchen wiederum als Ex-Namen eines 150qm Seefahrtkreuzers namens SCHWANENWEISS auf - wirklich alles sehr mysteriös!

Am vergangenen Samstag jedenfalls segelte die imposante Sloop nach einem kurzen Zwischenstop in Warnemünde weiter in Richtung Westen. Eventuell ja nach Travemünde; ganz sicher aber diesmal unter dem Namen SÜDWIND. Das stand zumindest auf dem Rettungsring...

--

Weiterführende Links:

Kommentare:

  1. hallo,
    mich hat die suche nach unterlagen und infos über die s.y. südwind eine menge arbeit gekostet.
    ich hatte das schiff in travemünde entdeckt und hatte die gelegenheit, einige fotos vom deckslayout zu machen. über hafenmeister, winterlager und fky habe ich denn versucht, an den eigner zu kommen. grund für meine bemühungen ist der modellnachbau in 1:20 für ein ferngesteuertes boot. bin dann auch fündig geworden, was den eigner betrifft und ihn auch persönlich kennengelernt. der war aber leider in puncto unterlagen zum kopieren sehr zugeknöpft! über fky habe ich dann kontakt zu einem schiffsschreiner geknüpft, der mir kopien von den original ? plänen bzw. spantenriss geschickt hat. mittlerweile habe ich mit dem projekt angefangen, d.h. die spanten sind schon ausgesägt, kiel ist in arbeit. arbeitsaufwand ca. 1,5 jahre. was lange währt.......

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. hallo,
      nun geht der bau des 150ers weiter. der rumpf ist im Rohbau fertig und ist nun voll in der "spachteln, schleifen, grundierungsphase"
      es laufen Recherchen für die richtigen beschläge. bräuchte noch hinweise für die Platzierung solcher an deck.....
      ..ansonsten geht's weiter.......

      Löschen
  2. hallo,
    da bin ich wieder !
    das projekt 150er seekreuzer nimmt seinen fortgang. der Status ist so, daß der rumpf im Rohbau fertig ist und die spachtel-, schleif- und Grundierungphase läuft. parralel läuft das erkunden für materialquellen, wie beschläge im richtigen Maßstab, suche nach deckslayout und segelplan für diese art schiffe, um das in Einklang mit der fernsteuerbarkeit zu bringen. würde mir eine entsprechende Gespräche mit "originalskippern" wünschen.
    ich werde mich wieder melden, wenn es fortschritte gibt...
    ...das schiff wird aber nicht "südwind" heißen.....

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. hi,
      nun, das projekt 150er seefahrtskreuzer ist vollendet ! seit dem frühjahr läuft das schiff und ich bin mit den segeleigenschaften mehr als zufrieden, denn es liegt gut am ruder und die Wendigkeit ist nahezu besser als bei einem flügelkieler. der rumpf ist in saphirblau, das unterwasserschiff in weiß lackiert. deck aus nordischer kiefer, mast ebenfalls in kiefer 7teilig hohlverleimt.
      ich habe dem schiff den namen "california blue" mit heimathafen Bonn gegeben. es wird in kürze wieder an einer Regatta der mini-sail e.v. teilnehmen.
      mein neues projekt soll die johan anker 434 werden.
      beste grüße aus bonn

      Löschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...