12.01.2012

Tornado Champions Race 2012 kommt nach Rostock | Interview mit Roland Gaebler

Jetzt ist es offiziell: mit dem TORNADO CHAMPIONS RACE 2012 bekommen wir im Rostocker Segelstadion ein weiteres leckeres Regatta-Highlight serviert. Erst im vergangenen Jahr erlebte die Segel-Arena im alten Neptun-Werftbecken mit der Deutschen Match Race Meisterschaft 2011 seine Feuertaufe.

Segelwettkämpfe vor Innenstadtkulisse: Am 6. & 7. Oktober 2012 starten die spektakulären Zweirumpfboote im Rostocker Stadthafen Tornado Champions Race 2012 (3x fotos copyright Andreas Lindlahr)


Ansätze, den Segelsport direkt in die City zu holen, gab es auch schon früher. Acht Jahre nach dem spektakulären Volvo Champions Race im Juli 2004 (damals noch vor der Silo-Halbinsel mit Tornados und 49er) wollen im kommenden Oktober zumindest die pfeilschnellen Zweirumpfboote wieder das Warnowwasser im Rostocker Stadthafen aufmischen.

Schon bei der ersten Pressemitteilung sind die nationale und internationale Segelmedien dankbar angesprungen, obwohl ja gerade mal das Konzept und die ersten beiden Termine (Lindau am Bodensee 1./2. September und Rostock 6./7. Oktober 2012) bekannt gegeben wurden. So tauchte der Name 'Rostock' als Veranstaltungsort heute bereits in so rennomierten Segel-Magazinen wie Yachts and Yachting (GBR) oder Minbaad (DEN) auf.

Rohrkrepierer klingen jedenfalls anders. Eher darf man sich wohl in Lindau und Rostock berechtigte Hoffnungen machen, dass das innovative Veranstaltungskonzept überregional für einiges Aufsehen sorgen wird. Eine interessante Möglichkeit auf jeden Fall, den modernen Segelsport - publikumswirksam und (toi toi toi!) finanzierbar - in ein frisches Licht zu rücken und Perspektiven aufzuzeigen. Allein der Ansatz, neue Wege zu gehen sollte den Versuch wert sein!

Ideengeber und Initiator für das Champions Race 2012 ist einmal mehr Roland Gaebler (47 Jahre, 6x Weltmeister, 10x Europameister, Olympia-Bronze usw usf): "Es kann doch nicht sein, dass alle nur wie erstarrt auf den America’s Cup schauen. Wir müssen auch an die kleineren Boote und jüngeren Mannschaften denken. Diese Riesen-Events sind doch für keinen mehr finanzierbar", äußerte er sich im aktuellen YACHT online Artikel zu den Hintergründen des neuen Formats.

Gerade mit dem Argument der Finanzierbarkeit rannte der deutsch-dänische Multihull-Spezialist in Rostock offene Türen ein. Nach den wertvollen Erfahrungen bei der Ausrichtung der Match Race DM im Oktober 2011 will der See- und Segelsportverein Rostock erneut in die Veranstalterrolle gehen und wird dabei wieder vom Hanse Sail Büro und weiteren Partnern vor Ort unterstützt.


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Doch wie fiel die Wahl eigentlich auf Rostock? Und was erwartet uns im kommenden Oktober zum Champions Race? Grund genug, einfach mal direkt bei Roland Gäbler nachzufragen:


RostockSailing: Hallo Roland! Heute wurden Rostock und Lindau am Bodensee als Austragungsorte für das Tornado Champions Race 2012 bekanntgegeben. Was gab den Ausschlag für Rostock?

Roland Gäbler: Rostock hat einfach perfekte Bedingungen. Es gibt nur sehr wenige Orte in Deutschland, wo wir den Sport derart publikumsnah rüberbringen können. Ich war vor einigen Wochen vor Ort und habe mir Euer neues Segelstadion angesehen - besser geht's nicht! Außerdem bin ich bei den Gesprächen in Rostock mit dem Champions Race Konzept auf viele offen Ohren gestoßen.

RS: Beim Volvo Champions Race 2004 wurdest Du mit Gunnar Struckmann in Rostock "nur" Fünfter - kannst Du Dich an die Veranstaltung noch erinnern?

RG: Oh ja, sehr gut sogar. Es war hochgradig emotional. Wir hatten ziemlich viel Wind und keine einfachen, aber äußerst spektakuläre Bedingungen. Für uns als Sportler ist es ein irres Gefühl, nur wenige Meter von der Kaimauer und den Zuschauern entfernt zu segeln - wie im Stadion eben - das ja für einen Segler nun mal nicht gerade die Regel...

RS: Bei den Tornados gewann damals in Rostock der Österreicher Roman Hagara knapp vor dem Australier Darren Bundock, dem späteren Gesamtsieger. Ist von den damaligen Teilnehmern außer Dir noch jemand aktiv? 

RG: Nein, nicht wirklich. Dafür werden jetzt interessante Nachwuchssegler beispielsweise aus Schweden und Tschechien an den Start gehen. Insgesamt rechnen wir mit etwa 10 Booten, darunter jeweils die Hälfte aus Deutschland und dem Ausland.

RS: Vor acht Jahren gab's Volvo als potenten Titelsponor. Das größte Problem für hochkarätige Segelveranstaltungen ist immer wieder das Geld - wie wollt Ihr die neue Serie finanzieren?

Neuer Racekurs
RG: Es ist nicht nur das Geld; wir müssen im Segelsport insgesamt neue Wege gehen und nach innovativen Lösungen suchen. Wir haben ein ganz neues Kursmodell entwickelt mit kurzen knackigen Rennen. Wir legen Wert auf ein schlankes Management und maximal mögliche Publikumsnähe. Der Sport soll wieder im Mittelpunkt stehen. 2004 gab's ein großes VIP-Zelt inklusive Häppchen und großem Abendprogramm, was natürlich alles enorme Summen verschlingt. Darauf können wir notfalls verzichten. Die Teams bringen ihre Boote mit und auch das restliche Equipment ist vorhanden. Bis hin zu "Kamera-Bojen", wo die Fotografen und Kameraleute direkt in der Wendemarke und somit mitten im Geschehen sitzen.

RS: Beim Volvo Champions Race 2004/05 wurden die Teilnehmer mit stattlichen Siegprämien gelockt -  für die Serie 2005 wurden insgesamt 76.000 Euro ausgeschüttet. Wird es das wieder geben oder wie wie wollt Ihr die Teilnehmer ins Boot holen?

RG:  Siegprämien haben erstmal keine Priorität. Stattdessen gibt es auch hier neue Modelle mit verschiedenen Möglichkeiten für die Sportler und Sponsoren. Eins davon ist das "Teampartnermodell", bei dem wir den Sponsoren nicht nur Brandingflächen sondern auch sehr direkten Kontakt mit den Sportlern bis hin zum VIP-Segeln anbieten. Die Teams erhalten wiederum eine Art Antrittsgage. Letztlich wird das Ganze auch ein Test für die Zukunft. Und die sehe ich für uns extrem dicht am Publikum auf kurzen Bahnen. Vielleicht gibt das ja sogar Impulse für zukünftige Olympia-Kurse...

RS: Du hast das neue Rostocker Segelstadion begutachtet. Es gibt Stimmen, die die Wohnbebauung am Ufer als störend für reguläre Wettkämpfe empfinden. Wie siehst Du das?

RG: Nein, das stört überhaupt nicht. Es ist ja noch genug offen und der Wind sucht sich irgendwie seinen Weg diurch die Häuser. Letztlich haben ja alle Teams die selben Voaraussetzungen und müssen das Beste draus machen. Plötzlich drehende Winde sorgen ja auch für zusätzliche Spannung und Positionswechsel. Viel schwerer wiegt dagegen die Publikumsnähe - die ist in Rostock einfach phänomenal! Deutschlandweit gibt's nur wenig vergleichbare Orte.

RS: Roland, Danke für das Gespräch, Grüße an Nahid und viel Erfolg bei den Mixed Multihull Trials im März!

RG: Danke auch; viele Grüße nach Rostock - wir freuen uns auf Oktober!



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...und hier noch ein Filmchen vom Volvo Champions Race 2004. Bis 01:30 min sind sogar ein paar seltene Sequenzen aus dem Rostocker Stadthafen dabei: 




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