Mittwoch, 11. April 2012

Starkwindbilder vom DeckSpülen und BaumTunken

Mit zunehmender Windstärke auf See sinkt gewöhnlich die Anzahl der an Bord entstehenden Segelbilder extrem. Wirklich gelungene Fotos werden dann eher selten, denn je weiter es auf der Beaufortskala nach oben geht, desto feuchter wird es von allen Seiten.

"Deckspülen" als Foto-Motiv: Irgendwo in der dänischen Südsee zieht die NOBILE ihr Schanzkleid gehörig durch die Ostsee (fast alle fotos copyright Nioclas Seeliger)


Nasse Starkwindbedingungen laufen zumeist unter "Nix gut" für empfindliche Kameras und Equipment, zumal wenn die Nässe aus aggressivem Salzwasser besteht. Außerdem "verschwindet" dann gern mal das Licht, ein grummeliges Grau umklammert das Farbspektrum und die Kontraste verwischen...

NOBILE unter Vollzeug
Und dazu immer diese verdammte Schaukelei, die dem seegehenden Fotografen erheblich mehr Konzentration abverlangt nicht zu verwackeln und gleichzeitig seinen Mageninhalt möglichst lange dort zu lassen wo er ist. Mitunter bekommt in diesen Momenten der Ausdruck "Bauchgefühl" beim Fotografieren eine ganz neue Bedeutung (vermutlich gibt es aus genau diesem Grunde auch so wenig Bilder von kotzenden Fotografen, denn für so eine Aufnahme bräuchte man ja dann schon zwei davon...).

Einer von jenen. die in solchem Wetter trotzdem noch draufhalten, ist Nioclas Seeliger aus Berlin. Im Juli 2011 pflügte er auf der NOBILE durch die dänischen Gewässer. "Nur" sechs Windstärken waren völlig ausreichend, um die Faszination des Starkwindsegelns auf dem kompromisslosen Wolgaster Rennkutter im Bild festzuhalten.

Sehr viel authentischer kann man Seefahrt in seiner ursprünglichen Form heutzutage wohl kaum erleben und festhalten. Sooo viel anders waren die harten Jungs vor 100 Jahren auf ihren Windjammern sicher auch nicht unterwegs, nur dass damals noch weniger Kameras an Bord waren ...

Besten Dank an Nioclas (sowie der NOBILE Crew), dass wir diese druckvollen Bilder hier im Blog zeigen können!

"Baumtunken" als Grenzwert: Wenn die Großbaumnock weit in Lee in's Wasser taucht, ist das zwar äußerst spektakulär, für die Stammcrew jedoch auch höchste Zeit, etwas Druck aus den Segeln zu nehmen... (foto aus dem NOBILE CREW DunstKreis)

Wilde Romantik: Die NOBILE ist von Hause aus mit wenig Freibord ausgestattet und wird von ihrer Besatzung gern "sportlich" gesegelt (im positiven Sinne!). Insofern sieht das viele Wasser in lee gefährlicher aus als es ist - der offene Niedergang bleibt noch trocken. (fast alle  fotos copyright Nioclas Seeliger cc by RostockSailing.de)


Der Blick von achtern: Hier kann's mitunter für den Fotografen schnell richtig feucht werden (fast alle fotos copyright Nioclas Seeliger).


Gleicher Törn, aber zwei Tage vorher: Ein spiegelglatter Ententeich lädt zu wunderschönen Aussenaufnahmen ein. Welch ein Kontrast zu den anderen Bildern... (fast alle fotos copyright Nioclas Seeliger)



















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Rennkutter NOBILE mit bewegender Geschichte


Die NOBILE wurde 1994/95 in der Tradition der alten Americas-Cupper aus den 20er Jahren um- und aufgebaut. Dementsprechend bietet das Schiff klassische Segelerlebnisse in den Dimensionen, die auf alten Rennyachten üblich waren: rund 500 m² Segelfläche werden am Wind an einem 36 m hohen Mast gesetzt. Damit erreicht der schlanke und elegante Rumpf schon bei Windstärken von knapp 4 Beaufort eine Geschwindigkeit von deutlich über acht Knoten... (mehr Infos zum Schiff)


Der Rumpf der NOBILE blickt bereits auf eine fast hundert Jahre alte Geschichte zurück. Im Juni 1919 lief auf der Werft J W Brooke & Co in Lowestoft (England) ein Logger mit dem Namen "Kathleen" für die Reederei Head & Wright Ltd. vom Stapel. Das Schiff wurde für die Schlepp- und Treibnetzfischerei gebaut und hatte wie damals üblich zwei Masten... (mehr Infos zur Geschichte)



1 Kommentar:

  1. viele coole Fotos, die Lust auf Segeln machen. Und das kann man nicht nur auf dem Ijsselmeer in den Niederlanden, sondern auch prima auf der Ostsee...

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